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Liebe.

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Es war eine Zinkbadewanne. Kennst du die? Auf alten Bildern sieht man ab und zu welche. Oder vielleicht auf alten, nicht auf modern und schick gemachten Bauernhöfen. Da steht manchmal noch eine. Die Seite für den Kopf etwas höher gezogen als die für die Füsse.

Meine Großeltern hatten so eine. Die Großeltern, von denen ich den Namen habe, aber nicht die Gene.

Die Wohnung hatte nur eine Wasserstelle. In der Küche. Als das Haus gebaut wurde gab es für die ganze Etage nur eine Wasserstelle, draussen, im Hausflur. Ob ihnen das Waschbecken in der Küche schon Luxus war? Der 5-Liter-Boiler für etwas warmes Wasser war angebracht, oberhalb des Wasserhahnes.

Meine Mutter hatte diese Großeltern für mich gefunden. Ja, auch einen Mann dazu. Aber die Großeltern nur für mich. Russlanddeutsche war die Großmutter. Ihre Familie nach dem ersten Weltkrieg ausgewandert oder einfach rausgeworfen, ich weiss es nicht. Und deswegen redete sie ein ganz klein wenig seltsam und konnte Piroggen backen und Borscht, den ich nicht so mochte, und Pelmeni, die ich dafür sehr mochte.

Es gab kein Bad in der Wohnung. Es gab nur eine Toilette auf dem Gang im Haus, immerhin auf der selben Etage. Meine Mutter konnte nur Aussentoilette halbe Treppe bieten.

Die Zinkwanne wurde in der Küche aufgestellt. Sie war etwa so lang wie die schmale Küche breit war. An den Wasserhahn wurde ein Schlauch befestigt und damit füllte sich die Wanne zur Hälfte. Die andere Hälfte kam aus Töpfen, in denen Wasser auf den 3 Flammen des Gasherdes angewärmt wurde. Und als es hinreichend voll war im Metallungetüm durfte ich mich hineinsetzen.

Eine braune, gesprenkelte Emaillekanne auf dem Tisch, auch voll Wasser, wurde mit einem Tauchsieder erhitzt. Meine Großmutter, dieses Geschenk eines guten Schicksals, saß dabei. Und immer wenn das Wasser in der Kanne schön warm war, fast heiss, nahm sie diese und lies es mir langsam über den Rücken laufen.

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Ja. Nochmal bitte.

Immer wieder.

Ich nehme mir heute, 43 Jahre später, den Duschkopf, halte ihn mir in der Wanne sitzend, hinter die Schultern und spüre das warme, fast heisse Wasser am Rücken. Und vermisse die Liebe meiner Großmutter.

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