Vom 15. bis 21. 03. 2026 durfte ich Teil einer Delegation sein, die zusammen mit dem Oberbürgermeister die Städte Kaohsiung und Taipei in Taiwan besuchte. Wesentliche Punkte der Reise waren dabei ein Austausch mit führenden Vertreter:innen der Stadt Kaohsiung, der Besuch der Smart City Messe in Taipei, ein Zusammentreffen mit dem Bürgermeister der Stadt Taipei, die Teilnahme am International Cities Forum in Taipei und ein Austausch mit führenden Vertretern von TSMC in Hsinchu.
Ich will in diesem Beitrag darauf verzichten, mich zu sehr in Details zu verlieren, sondern mich auf die wesentlichen Erkenntnisse dieser Besuchsreise konzentrieren.
Dresden hat große Bedeutung für Taiwan
Unter der ständigen Bedrohung der Volksrepublik China stehend, deren Ein-China-Politik die Unabhängigkeit Taiwans nicht akzeptiert, versucht Taiwan unter anderem über ein weit gespanntes Netz internationaler Kontakte einen Schutzschirm aufzubauen. Vor diesem Hintergrund ist die Investition des taiwanesischen Großunternehmens TSMC mit einem Umfang von über 10 Milliarden Euro in Dresden herausragend. Es ist die bislang einzige Großinvestition in Europa, und damit bekommt Dresden eine Türöffnerfunktion für das Land. Darin liegt die Wertschätzung begründet, mit der unsere Delegation überall empfangen wurde.
Damit aber geht die unserer Stadt zuteil gewordene Chance in ihrer politischen Bedeutung weit über eine reine Investition hinaus. Ich kann nur hoffen, dass die weiteren Implikationen, insbesondere im Verhältnis zur Volksrepublik China, von unserer Stadt bewältigt werden können.
Der Wunsch nach engerer Zusammenarbeit

Ich habe das Memorandum of Understanding abgebildet, die unterzeichnete Absichtserklärung zur engeren Zusammenarbeit. Ein ähnliches Papier soll auch mit der Stadt Kaohsiung existieren. Kritisch anzumerken ist, dass auf Dresdner Seite der Stadtrat nicht in die Erarbeitung einbezogen wurde.
Meiner Beobachtung nach ging das Interesse der Vertreter der taiwanesischen Seite für die Zusammenarbeit deutlich über die Gestaltung einer günstigen Umgebung für Investitionen hinaus. Auch aus meiner Sicht muss die Zusammenarbeit mit anderen Städten mehr sein als die Folge ökonomischer Entscheidungen. Insofern erwarte ich, dass der im Papier genannte „plan of action“ unter Beteiligung des Stadtrates erarbeitet wird und den Blick über den Tellerrand günstiger Investitionsbedingungen hinaus wirft.
Nachhaltigkeit und soziale Fragen
Besonders beeindruckt haben mich zwei Dinge:
Zum ersten die Rolle sozialer Politik. So ist in der Selbstbeschreibung des Bürgermeisters von Taipei, Wan-An Chiang, die wir im Begleitheft des International Cities Forum lesen können, als sein Erfolg hervorgehoben „…a policy allowing working parents of young children to leave work an hour earlier…“. Arbeitende Eltern kleiner Kinder dürfen auf Initiative von Herrn Chiang eine Stunde eher nach Hause gehen. Eine interessante, familienfreundliche Idee. Ich ahne schon den Empörungssturm, würde ich im Dresdner Rat etwas Derartiges für städtische Angestellte beantragen.
Zum zweiten die außerordentlich hohe Bedeutung von Nachhaltigkeit für das Unternehmen TSMC. So ist die Umsetzung ausgewählter SDGs in der Unternehmensstrategie verankert und bildet damit eine gute Basis für eine Kooperation zwischen Dresden und TSMC über die reine Wirtschaftsförderung hinaus. Dies zu gestalten wird eine Herausforderung unserer kommunalen Politik, denn bisher sind in der Verwaltung keine Strukturen vorhanden, die auf dieser Ebene mit dem Unternehmen kooperieren könnten.
