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Kaum noch Worte

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Machmal, wenn ich die Sozialen Netzwerke betrete, besonders bei Twitter ist das so, dann fühle ich mich gepeinigt wie eine Figur in einem Gemälde von Hieronymus Bosch. Und das liegt garnicht einmal an den Feinden, die dort zu Hauf herumgeistern und über einen herfallen, sondern an den vielen quälenden Meinungsäußerungen derer, die eigentlich Freunde sein sollen. Und jetzt, im Angesicht besonders monströser realer oder vermeintlicher Schlechtigkeiten der Welt ist das noch einmal gesteigert.

Ich habe kaum noch Worte, die ich dort sagen möchte.

Hier aber, im Vorhof, will ich innehalten und mir, und euch, die Gedanken sagen die Brecht und Wenzel dazu dichteten und sangen.

Im Text „An die Nachgeborenen“ schreibt Brecht im dritten Teil:

Dabei wissen wir ja:
Auch der Haß gegen die Niedrigkeit
Verzerrt die Züge.
Auch der Zorn über das Unrecht
Macht die Stimme heiser. Ach, wir
Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit
Konnten selber nicht freundlich sein.

Bertolt Brecht, An die Nachgeborenen

Den gesamten Text und lesen und von Brecht selbst gesprochen anhören kann man hier.

Wenzel sing in seinem Lied „Halt an meinem Arm dich fest“ dazu:

Bleibe sanft und rüste dich nicht auf.

Bleibe wach und rüste dich nicht mit.

Bleibe klar und rüste dich nicht hin.

Bleib bei dir und rüste nicht zum Krieg.

Doch: Verhärte nicht in dieser Zeit.

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