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Erneut viele Fragen.

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Frau Mallek-Klein hat mir wieder geschrieben. Und aus Gründen der Transparenz will ich es so halten wie in diesem Beitrag: Ich antworte auf ihre Fragen öffentlich.

Vorab: Anlass ihrer Fragen ist offenbar eine Mail eines ehemaligen Freiwilligen im „Freiwilligendienst aller Generationen“. Ich habe sie hier dokumentiert.

Sehr geehrter Herr Kießling, 

nachdem sich mehrere Betreuer verschiedener Ferienfreizeiten gemeldet haben, weil sie noch auf Geld vom Verein Roter Baum für ihre Betreuertätigkeit bzw. weitere Auslagen warten, erlauben Sie folgende Fragen:

Sehr geehrte Frau Mallek-Klein, bei uns hat sich nur eine Person gemeldet. Deren Ansprüche prüfen wir, und zwar sehr genau. Mit hoher Wahrscheinlichkeit besteht kein Anspruch auf diese Ehrenamtsentschädigung. Auf alle Fälle besteht kein Anspruch gegen den Jugendverein „Roter Baum“ e. V., dies habe ich Ihnen bereits in den Antworten auf ihre vorige Frageliste erläutert. Ausserdem glaube ich Ihnen nicht, dass es „mehrere Betreuer aus unterschiedlichen Ferienlagern“ waren, die sich bei ihnen gemeldet haben.

Innerhalb welches Zeitraums erstattet der Rote Baum e.V. üblicherweise
Auslagen/Gehälter an seine Beschäftigten?

Der Jugendverein „Roter Baum“ e. V. hat keine Beschäftigten. Ich erwähne das noch einmal extra für Sie, Frau Mallek-Klein. Die unterschiedlichen Gesellschaften, bei denen ich Geschäftsführer bin, zahlen entstandene Forderungen Dritter üblicherweise unverzüglich. Bei Festangestellten gibt es dazu Tarifverträge oder manchmal einzelvertragliche Regelungen. Wenn Rechnungen gestellt werden gibt es Zahlungsziele. Oder wollten Sie wissen, wann Ferienlagerbetreuer:innen ihre Ehrenamtsentschädigung erhalten? Das haben Sie zwar nicht gefragt, aber vielleicht interessiert es ja andere die hier mitlesen. Also, das ist so: Wenn ein Ferienlager beendet wird und alle Kinder wohlbehalten in den Armen ihrer Eltern sind bekommen die Betreuer:innen ihre Entschädigung bar ausgezahlt. Manchmal klappt das aber nicht. Sei es weil Betreuer:innen vorzeitig aus dem Bus ausgestiegen sind, weil sie noch im Ferienobjekt sind für die nächste Belegung, manchmal ist auch nicht genug Bargeld vor Ort. In solchen Fällen überweisen wir die Entschädigung dann in den nächsten Tagen. Dazu schreiben uns die Betroffenen eine Mail mit ihrer Iban und wir lösen die Überweisung aus. Das macht übrigens keine Überweisungsmaschine oder eine große Finanzabteilung, nein: Das mache ich. Per Einzelüberweisung am Computer.

Ist es richtig, dass die Stundensätze deutlich unter Mindestlohn liegen?

Ich entnehme Ihrer Frage, dass Sie sich noch nie damit befasst haben wie Ferienlager eigentlich funktionieren. Oder wollen Sie in ihrem Artikel irgendetwas darüber hineinphantasieren wie schlecht wir Mitarbeitende bezahlen und hoffen auf eine mißverständliche Antwort von mir? Eigentlich ist schon die Fragestellung an sich skandalös. Eine Lokaljournalistin nimmt also an, in einem Ferienlager würden die Betreuer:innen nach Stundensätzen bezahlt, vergleichbar einer Honorartätigkeit oder gar einer befristeten Anstellung. Nein, Frau Mallek-Klein: So ist es nicht. Es handelt sich bei denen, die in einem Ferienlager Kinder betreuen, um Ehrenamtliche. Diese bekommen als Anerkennung eine Ehrenamtsentschädigung. Sie liegt für einen Einsatztag in einem sehr niedrigen zweistelligen Bereich. Und wissen Sie was, Frau Mallek-Klein: Die meisten davon tun es garnicht fürs Geld. Sie tun es weil ihnen Kinder wichtig sind und nehmen für dieses Ehrenamt sehr viel in Kauf.

Betreuer sind mehr, als nur Begleiter von Ferienlagern. Betreuer zu sein bedeutet, Aufpasser zu sein. Es bedeutet Spielepartner zu sein, manchmal auch ein guter Kumpel oder gar väterlicher Freund. Nicht selten Postbote, Trainer oder Streitschlichter. Gelegentlich Arzt, Krankenschwester und Pfleger. Betreuer zu sein bedeutet auch ein geduldiger Lehrer oder nerviger Mahner zu sein. Betreuer zu sein, bedeutet nicht nur für zwei Wochen auf Freunde, Familie, Hobbys und Gewohnheiten zu verzichten, sondern wirklich auf dem Zahnfleisch zu kriechen. Über zwei Wochen jede Nacht höchstens 5 Stunden zu schlafen. Es bedeutet, auch in krankem oder geschwächten Zustand sich morgens aus dem Bett zu wühlen und im Regen mit den Kindern zu toben. Es bedeutet trotz Schlafmangels abends noch stundenlang die nächsten Tage zu planen, mit eigener Kreativität, Euphorie und der Hoffnung, es käme gut an. Und wenn es nicht gut ankommt und alle Mühe vergebens ist oder nicht geschätzt wird, dann bedeutet Betreuer zu sein, genau das zu ertragen und zu verkraften. Betreuer zu sein bedeutet, für sich eine Packung Schokolade zu kaufen und vielleicht davon selbst nur ein Stück abzubekommen. Es bedeutet manchmal, mehr zu schleppen als man selber dabei hat. Es bedeutet lieber selber zu frieren und die eigene Jacke dem Kind zu leihen. Betreuer zu sein, bedeutet manchmal auch zum Wohle eines Kindes auf Ausflüge zu verzichten auf die man sich lange gefreut hat. Betreuer zu sein bedeutet nicht des Geldes, nicht des Erlebnisses oder des Ehrenamts-Schreibens dabei zu sein, sondern aus Liebe zu den Kindern und sich genau dessen immer bewusst zu sein. Betreuer zu sein, bedeutet mit Herz und Seele für andere da zu sein, die es einem nicht immer danken und trotzdem die Zeit bereichern. Betreuer zu sein, bedeutet einfach etwas Gutes, Sinnvolles und Notwendiges zu tun. Betreuer zu sein, bedeutet selbstlos zu sein.

Facebookbeitrag von Cedric Höppner
Uns sind sieben Fälle bekannt, in denen Betreuer ganz oder teilweise auf
Auszahlungen warten – mit welche Begründung?

Mir sind keine sieben Fälle bekannt. Ich glaube Ihnen auch nicht das Ihnen sieben Fälle bekannt sind. Falls ich mich irre kennen Sie meine Emailadresse. Schreiben Sie mir die Namen, dann kann ich das prüfen.

In einem Fall geht es auch um eine Mietwagenrechnung, ist es richtig, dass das Auto gebraucht wurde, um Kinder, die im falschen Lager angekommen waren, wieder zurückzutauschen?

Wenn mehrere Ferienlager zur selben Zeit am selben Ort starten oder sogar noch vom selben Bus angefahren werden kommt es ab und zu vor, dass Kleidungsstücke, Handgepäck, Koffer, Kuscheltiere und manchmal auch Kinder im falschen Ferienlager landen. Kleidungsstücke, Handgepäck, Koffer oder Kuscheltiere häufiger, Kinder sehr selten. Das ist in der Regel kein Drama und wird umgehend in Ordnung gebracht. Ob eine der vom Verfasser der oben in der Einleitung verlinkten Mail eingeforderten Fahrtkosten sich auf eine solche Fahrt bezogen kann ich an Hand der von ihm eingereichten Belege nicht nachvollziehen.

Wie konnte dieser Fauxpas passieren?

Ich weiss eigentlich garnicht wie ich auf eine solche Frage antworten soll. Ja, wie kann es passieren dass ein Kind in einem falschen Ferienlager landet? Mir fallen dazu viele Möglichkeiten ein, wie so etwas passieren kann. Vor vielen Jahren hat ein Bus auf der Heimfahrt aus Ungarn einen Menschen an einer Tankstelle in der Nähe von Prag vergessen. Bis heute eine unserer Anekdoten, denn es war der Lagerleiter. Und mir fallen genauso viele Methoden ein, das zu verhindern. Über genau solche Ereignisse reden wir auf unseren Betreuerschulungen. Nur ein hohes Verantwortungsbewusstsein der Betreuer:innenn minimiert die Quote von Fehlern. Aber ich bin überzeugt, Frau Mallek-Klein: Sie werden aus dieser Geschichte, die offenbar niemandem geschadet hat schon noch einen weiteren Skandal machen.

Wer hat diese Fahrten beauftragt?

Ich nehme an, Sie meinen die Fahrten die der Herr, der die im Einleitungstext verlinkte Mail geschrieben hat, nun erstattet haben will? Das weiss ich nicht. Er hat dazu eine Behauptung vorgetragen, die wir noch prüfen.

Unter den Betroffenen kursieren Gerüchte einer drohenden Zahlungsunfähigkeit des Vereins, könnten Sie sich dazu bitte kurz einlassen?

Ich kenne keine solchen Gerüchte. Weder der Verein noch eine der Gesellschaften, in denen ich Geschäftsführer bin, ist in finanzieller Schieflage. Ich kenne einzig die im Einleitungstext verlinkte Mail. Aber so wie ich Sie kennengelernt habe wird ihnen diese schwache „Quelle“ ausreichen, um sich in ihrem Blatt darüber auszulassen.

Welchen Betreuungsschlüssel legt der Rote Baum e.V. an?

Grundsätzlich wird eine Betreuungsperson auf 8 Kinder geplant.

Wer schult die Betreuer vor Beginn ihrer Arbeit?

Grundsätzlich sollen alle Betreuer:innen an einer Betreuer:innenhauptschulung teilnehmen. Wer zuim ersten mal in einem Ferienlager betreut soll zudem eine Erstbetreuer:innenschulung besuchen. Zusätzlich bieten wir mit der B:Akademie eine Vielzahl von thematischen Runden an, die sich einzelnen Aspekten der Betreuungstätigkeit im Ferienlager widmen. Sobald ein Team für ein Ferienlager steht gibt es zudem das Angebot eines konkreten Teamgespräches mit der Projektleitung.

Sowohl auf den Erstbetreuer:innenschulungen als auch auf der Betreuer:innenhauptschulung greifen wir auch auf externe Personen zurück, die einzelne Themen beleuchten.

Wie groß ist der Anteil minderjähriger Betreuer?

Minderjährige können nur im Ausnahmefall und nicht als vollwertige Betreuer:innen mitfahren. Sie werden nicht auf den Betreuungsschlüssel angerechnet.

Ist es richtig, dass die Erste-Hilfe-Unterweisung verkürzt stattfand?

Erste-Hilfe-Schulungen sind immer Bestandteil der Betreuer:innenhauptschulung. Dabei wird versucht, die angehenden Betreuer:innen darauf vorzubereiten dass in einem Ferienlager Erste Hilfe nötig sein kann. So wie auch bei allen anderen Themen der Betreuer:innenschulungen ersetzen die dort durchgeführten Bildungseinheiten nicht die eigenverantwortliche und vertiefende Beschäftigung mit der jeweiligen Materie. Wir ziehen für diese Schulungen in der Sache erfahrene Personen hinzu. Diese führen dann den thematischen Komplex der Erste-Hilfe-Schulung eigenverantwortlich. Was Sie hier mit „verkürzt“ meinen weiss ich nicht. Allein wenn Sie die Webseite des Roten Kreuzes und die dort aufgeführten Varianten von Erste-Hilfe-Kursen sehen finden Sie eine ganze Reihe ganztägiger oder gar mehrtägiger Veranstaltungen. Gegenüber einer mehrtägigen Erste-Hilfe-Schulung des Roten Kreuzes ist unsere Schulung natürlich kürzer.

Hatten alle Betreuer einen gültigen Gesundheitspass vor Beginn ihrer Arbeit?

Nein. Gesundheitspässe gehören, anders als zum Beispiel das erweiterte Führungszeugnis, nicht zu den Voraussetzungen für den Einsatz in einem Ferienlager.

Inwieweit konnten Sie sich mit dem Karl-May-Dorf-Verein einigen, was die Schäden
im Lager betrifft, die während der Nutzungszeit durch den Roten Baum entstanden?

Der Umgang mit entstandenen Sachschäden ist in den Verträgen geregelt. Bislang hat der Verein Karl-May-Dorf e. V. uns gegenüber keine Forderungen erhoben.

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